PORTA CHIUSA



Dieser
interdisziplinären Performance liegt der Konflikt zugrunde, dass
wir am Anfang des 21. Jahrhunderts
in
einer Welt leben, die noch immer
auf Nationalstaaten aufgebaut ist, und in der die Menschen nicht
gleich
behandelt werden; in der immer noch von Hautfarbe und Rasse
gesprochen wird und in der Ernährung,
Gesundheit und Zugang zu
Bildung immer noch von hierarchischer Klassifizierung abhängig
gemacht wird.
Thema ist somit der Konflikt zwischen der„
Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und
unveräusserlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der
Menschen, die Grundlage von Freiheit,
Gerechtigkeit und Frieden in
der Welt bildet“ (Menschenrechtserklärung vom 10. Dezember 1948)
und der
Tatsache, dass genau diese Würde in zunehmendem Masse
verletzt wird.
Paed
Conca
Komponist und Interpret, hat zu diesem Thema eine Komposition
verfasst und drei Arbeiten
von drei KünstlerInnen aus
verschiedenen
Kunstbereichen mit dieser Komposition zu einer
interdisziplinären
Performance zusammengefügt:
Aktion:
Experiment der Blinden Malerei
Der
eventualistische Künstler Giovanni
Di Stefano
wird mit verbundenen Augen
eine
Glastüre mit schwarzer
Ölkreide komplett zu übermalen
versuchen.
Diese Aktion wird von beiden
Seiten der auszumalenden
Fläche
gefilmt. Beide Aufnahmen werden in einem Video zeitgleich
zu
sehen sein. Der Künstler hat maximal
30 Minuten Zeit, die
Fläche so
zu übermalen, dass keine transparenten Flächen mehr
übrig bleiben.
Was ihm natürlich nicht gelingen wird, da er mir verbundenen Augen
Fehler machen wird.
Wort:
Forteressensiemangerneles
Heike
Fiedler,
Autorin und Performerin
Eine
Wortkreation in verschiedenen Sprachen, die mit der Ausgrenzung und
Unterdrückung „spielt“
Film:
Der
Filmemacher Giorgio
Andreoli hat 2008 während
Ausschaffungen von abgewiesenen Asyl Suchenden im
Flughafen
Zürich/Kloten Filmaufnahmen gemacht und diese zu einer Filmcollage
verarbeitet. Mit Absicht
werden keine Gesichter gezeigt.
Musik:
Die
Komposition „Porta Chiusa“ von Paed Conca wird zu diesen drei
Arbeiten als Live-Konzert aufgeführt mit
Hans
Koch(cl),
Michael
Thieke(cl)
und Paed
Conca(cl).
Bedeutung:
Im
Videofilm ist eine Glastüre zu sehen. Durch das Übermalen
wird
versucht, sie „un-durchdringlich“ zu machen.
Doch wird das nicht
gelingen: Es werden Flecken transparent bleiben.
PORTA
CHIUSA interpretiert dies als Sinnbild der Unmöglichkeit einer
totalen (totalitären) Sicherheit, die als
Vorwand dient, jeglichen
Einlass zu verwehren. Eine trügerische Sicherheit, die vor der
Tatsache der weltweiten
Migration die Augen verschliesst und nicht
realisiert, dass diese Abschottung Gefahr von Innen nährt. Diese
Abschottung bedeutet zudem, mitzuwirken an der Missachtung der
Menschenwürde.
In
den Texten von Heike Fiedler und im Film von Giorgio Andreoli wird
fassbar, dass die Möglichkeit zur
Kriminalisierung der Migration
heute europaweit gesetzlich verankert ist und umgesetzt wird.
Dieser
„Unzustand“ bedeutet gerade für die Betroffenen, dass sie als
minderwertig, gefährlich, kriminell und
asozial klassiert werden.
Es
bedeutet: Die Verweigerung des Mensch-Sein-Dürfen und nicht das
Recht auf
Bewegungsfreiheit haben zu dürfen.
Dagegen
will das Kulturprojekt PORTA CHIUSA ein Zeichen setzen.
Aufführungen:
Porta Chiusa on My Space