Mazen Kerbaj:
trumpet/ Christine Sehnaoui:
sax
Sharif
Sehnaoui: guitar/Raed
Yassin:
bass
Paed Conca: bass and clarinet/Michael Zerang:drums MUSIC:
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The Al Maslakh Ensemble was formed in April of 2006 at the Irtijal
Festival of Experimental Music in Beirut, Lebanon. The core members
from the Lebanese experimental music scene, Mazen Kerbaj (modified
trumpet), Raed Yassin (contrabass/electronics), Sharif Sehnaoui (e
guitar), and Christine Sehnaoui (alto Saxophone) are joined by Swiss
bassist/clarinetist Paed Conca and American percussionist Michael
Zerang, to form this ensemble that deals with extended form
improvisations, utilizing traditional and non traditional
instrumentation. Since its inception, the ensemble had performed in
Beirut, Lebanon and across Europe.
DAS
AL MASLAKH ENSEMBLE
Dass
der Club W 71 in Weikersheim am
28.11.2006 das einzige Konzert des AL MASLAKH ENSEMBLEs hierzulande
ermöglichte, spricht Bände über den Kulturstandort
Deutschland und seine Lippenbekenntnisse zum Multikulturalismus. Aber
noch gibt es sie, die Neugierigen, die die gute Gelegenheit nutzten,
leibhaftig zu erfahren, dass im Libanon eine kleine, aber extrafeine
Szene sich der supranationalen Kunst der Freien Improvisation
verschrieben hat. Einzigartig für den Kulturraum, der zur Zeit
zum Feindbild der westlichen Zivilisation zurecht gestutzt wird,
exisitieren in Beirut mit MILL ein Zusammenschluss von
avantgarde-orientierten Musikern, mit IRTIJAL ein Festival der Freien
Improvisation und mit AL MASLAKH, zu dt. Schlachthaus, sogar ein
CD-Label, das diese Aktivitäten dokumentiert. Auf Einladung des
Schweizer Bassisten & Klarinettisten Paed Conca, der im W 71
schon mit Blast & Saadet Türkös gastiert hatte,
präsentierte die Al Maslakh-Crew ihre Klangkunst Ende November
in Bern mit anschließendem Abstecher nach Weikersheim.
Zusammen
mit Conca und Michael Zerang, jenem mit dem Peter Brötzmann
Chicago Tentet auch schon im KULT Niederstetten zu bewundernden
Drummer, zeigten sich der Trompeter Mahzen Kerbaj, der Kontrabassist
Raed Yassin, der Gitarrist Sharif Sehnaoui und die Altsaxophonistin
Christine Sehnaoui als engagierte Vertreter der Freien Improvisation
in ihrer aktuellsten, nämlich äußerst
geräuschverliebten und an Mikroprozessen, Klangfarben und feinen
Dynamikabstufungen interessierten Form. Den noch nicht Eingeweihten
deutete bereits das auf der Bühne ausgebreitete Arsenal von
Spielsachen an, dass das Al Maslakh Ensemble als Jäger und
Sammler von Klängen auftreten würde, die man erst knacken
oder hervorkitzeln muss.
Kerbaj z. B. setzte seine Trompete
seltener an die Lippen als zwischen die Knie (!), um die Luft per
Schlauch oder Gummi zuzuführen und um jedes so hervorgepresste
Tönchen mit Keksdosendeckeln zu dämpfen und zu
modifizieren. Yassin nutzte den Bass überwiegend als großen
Klangkasten, als Stoßkante für einen Ventilator oder
Ablage für ein Miniradio, mit dem er, beim Surfen nach dem
Zufallsprinzip, sogar die Kanzlerin persönlich auf die Bühne
stellte. Zerang, optisch ein massiver und bäriger Typ, scheint
mit Samthandschuhen geboren zu sein. So delikat und sanft ging er mit
seinem Schlagwerk zu Werke, mit Fingerspitzen, Klöppeln,
ebenfalls einem kleinen Ventilator oder elektrisch induzierten
Vibrationen der Cymbals, dass man ihn für die Mutter der
Porzellankiste hätte halten können. Conca wechselte von
einem übers Knie gelegten E-Bass, den er perkussiv nach
Holzwürmern abklopfte, zu ausdauerndem Klarinettengefiepe, mal
mit, mal ohne Mundstück. Mr. Sehnaoui operierte zuerst mit einer
akustischen Gitarre, der er per Präparationen Gezirpe und
Geflirre entlockte, im zweiten Set dann mit einer elektrisch
verstärkten, zwischen deren Saiten er Stifte flattern ließ
oder Feedbackgedröhn entlockte. Einzig Mrs. Sehnaoui kam ohne
Gimmicks aus, aber nur um vorzumachen, dass ein Altosax etwas ist,
dem man mit akribischen Zirkularatmungs- und Überblastricks
erstaunliche Geräusche abzwingen kann. Dabei dämpfte sie
ihr Fauchen, Krächzen und Zischen oft wieder am Oberschenkel ab,
immer in ganz konzentrierter Gratwanderung zwischen genau dosierten
und abgeschatteten Geräuschnuancen. Da mussten Kenner der
Materie schnell den Voyeur gegen den respektvoll Staunenden
tauschen.
Was ergab das atonale Geplänkel aber in der Summe
seiner teilweise etwas zu eifrigen und kanonkonformen
Detailversessenheit? Eine Demonstration von Finessen. Ein Lobgesang
der gegenseitigen Vor- und Rücksicht, des Heiklen und Fragilen.
Flache Hierarchie als Praxis. Gut und schön. Aber wo steckt da
der musikalische Mehr- und Nährwert? Den Anwesenden war die
Antwort klar geworden, erst recht nach dem zweiten Set, der dichter
und dröhnender gewoben war. Sie verlangten eine Zugabe und
bekamen noch ein ‚Traditional‘ zu hören. Das freilich vom
vorher Gehörten sich unterschied wie ein Jackson Pollock vom
anderen. Konsequent abstrakt, konsequent nichtfolkloristisch, ohne
Exotenbonus, schon gar nicht ‚arabesk‘. Aber ebenso konsequent
der Lust am Spielen und der Zärtlichkeit verschrieben. Im
Libanon kommen die Al Maslakhs sich vor wie Aliens. Ich müsste
lügen, wollte ich sagen, dass es hierzulande anders ist. rbd